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"Der Mut, den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt zu haben, passt in
die heutige Zeit." Der das sagt, ist weit herumgekommen: Gerd Pischetsrieder, ein Cousin des
VW-Vorstandsvorsitzenden, ist als Personalberater deutschlandweit ein gefragter Mann - auch bei der
Zwingenberger SurTec GmbH.
Mit deren Gründer Herbert Baunach verbindet Pischetsrieder zudem eine persönliche
Freundschaft. Der Wahl-Hamburger und der Franke, dessen Unternehmen vor drei Jahren auf der
grünen Wiese in Zwingenberg, am Ortsausgang Richtung Bickenbach, ein auch äußerlich
bemerkenswertes Industriebauwerk bezogen hat, halten mit ihrer gegenseitigen Wertschätzung nicht
hinterm Berg. Und so war es nahe liegend, dass Pietschesrieder bei der Feier des zehnjährigen
SurTec-Jubiläums die - ebenso launige wie wohltuend knappe - Festrede hielt.
SurTec stellte er dabei als "Spezialist für Tiefgründigkeit an der Oberfläche"
vor - ein nettes Wortspiel, das anschaulich deutlich macht, womit die Firma ihr Geld verdient. Sie
entwickelt, produziert und vertreibt Produkte zur Oberflächenbehandlung, überwiegend von
Metallen, und ist damit in aller Welt zu Hause. Aus den 35 Mitarbeitern des Startups 1993 in Trebur
ist inzwischen eine global operierende Organisation mit 200 Köpfen geworden. Der Umsatz ist von
unter sechs auf 25 Millionen Euro gestiegen und weiteres Wachstum programmiert, ließ sich Herbert
Baunach als geschäftsführender Gesellschafter der SurTec International insoweit in die Karten
schauen.
Die Firma hat der Chef der Holding zusammen mit Patricia Preikschat und seinem Bruder Bernhard Baunach
gegründet, die gemeinsam die SurTec Deutschland leiten. Es handelt sich um ein Management-Buy-out
wie aus dem Bilderbuch. Als der Unilever-Konzern seine Abteilung Oberflächentechnik aus dem
Portfolio strich, nutzten deren Leistungsträger entschlossen die gebotene Chance zur
Ausgründung.
Nach dem erwartet holprigen Start ging es seit 1995 "teils in Sprüngen, aber immer stetig
bergauf", wie Patricia Preikschat die Jahre nach dem "Wendepunkt" beschrieb.
Auf ihrem Expansionskurs ist die SurTec "wesentlich internationaler" geworden, als dies die
zuletzt unerwünschte Abteilung im Konzern jemals war. 15 Beteiligungsgesellschaften und etwa
genauso viele Vertragspartner in allen wichtigen Märkten sorgen dafür, dass die
"hochwirksamen und umweltverträglichen Produkte" (Preikschat) aus Zwingenberg immer mehr
Abnehmer finden.
SurTec hat sich "national und international in der Branche behauptet", freut sich auch
Bürgermeister Dieter Kullak. Für die älteste Bergstraßen-Kommune ist das
Unternehmen ein "Aushängeschild ersten Ranges" - ein moderner, innovativer Betrieb, der
mit seinem im Jahr 2000 bezogenen Passivhaus auch einen städtebaulichen Akzent gesetzt hat. Kullak
jedenfalls ist "froh und glücklich", SurTec in seinen Stadtmauern zu haben, wegen der 50
qualifizierten Arbeitsplätze ebenso wie mit Blick auf die Gewerbesteuer.
Wegbereiter für die bis dahin größte Einzelbaumaßnahme in Zwingenberg war der
heutige Ehrenbürgermeister Kurt Knapp, der im Verein mit den städtischen Gremien und mit so
manchem unkonventionellen Einsatz nach Feierabend beim privaten Grundstücksbesitzer ein
Lehrstück dafür ablieferte, wie man binnen kürzester Zeit einen Acker zum Bauland
erklärt. Auf die städtebauliche Dominanz des "beispielgebenden Gewerbebauwerks"
könne Zwingenberg stolz sein, bereut Knapp auch im Nachhinein nichts.
" SurTec geht seinen eigenen Weg", bescheinigt Consultant Pischetsrieder. Das erfolgreiche
Unternehmen der Zukunft ist für ihn durch sieben Merkmale gekennzeichnet: Es ist klein, hat flache
Hierarchien, agiert temporär flexibel, prozessorientiert und selbstorganisiert, ist offen und
abgewogen - mit klaren Zielen und ständigen Erfolgskontrollen, wie SurTec eben.
Dass das Klima nicht nur im palmenbegrünten Passivhaus stimmt, sondern auch in der Belegschaft
untereinander, bescheinigte die Betriebsratsvorsitzende Uli Kunz, bevor zur Feier des Tages der
"Schräge Rudi" und sein nicht minder musikalischer Partner Hubert Ensinger den Ton
angaben und die geladenen Gäste es sich bei einem köstlichen Buffet und erlesenen Weinen aus
dem Hause Simon-Bürkle gut gehen ließen. sl
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