| Stand des Vorhabens (Anfang Juli 2000) | |
|---|---|
|
Der Bau war Ende Mai so weit bezugsfähig, dass die Büros bereits ab Anfang Juni in Betrieb genommen wurden. Das Labor wird derzeit aufgebaut und Ende des Monats in Betrieb genommen; es gab zahlreiche spezifische Probleme zu lösen wie beispielsweise Absaugung und Anschluß von Korrosionsprüfschränken. Die Produktionseinrichtungen werden im Laufe des Augustes aufgebaut und angeschlossen. Die fertigen projektrelevanten Gewerke wie Rohbau, Fundamentdämmung, Perimeterdämmung, Erdreichwärmetauscher, Wasserspeicher, Erdanschüttung wurden auf das Passivhaus hin geplant und insbesondere bei der Objektüberwachung durch die Bauleitung konsequent überprüft. Mängel in der dichten Ausführung der Dämmung wurden umgehend beseitigt, die Bauteile erfüllen ihre Funktion aus heutiger Sicht einwandfrei. |
|
Fensterbau LochfensterDie Lochfenster wurden mit dem Werkstoff Pural 250 durch die Firma BERT-FENSTER ausgeführt. Diese Alu/PU/Alu-Rahmen, die keine thermisch wirksame Brückenwirkung zwischen innen und außen haben, wurden mit i-Plus Dreifachverglasung mit einem Scheiben k-Wert von 0,5 und einem Gesamt-k-Wert von <1 ausgeführt. Die Fenster wurden wärmebrückenfrei durch eine umlaufende Rahmenverbreiterung auf der Innenseite in der Dämmebene auf dem Beton des Rohbaues befestigt. Die Fugen wurden durch dauerelastisches Dichtmaterial luftdicht versiegelt. |
|
Verglasung Pfosten-Riegel-KonstruktionDie Pfosten-Riegelkonstruktion wurde durch die Firma aTmos entwickelt. Es wurde ein Rahmen k-Wert von ca. 0,8 vereinbart. Die verwendeten Scheiben sind ebenfalls 3-fach-Verglasungen i-Plus mit einem k-Wert von ca. 0,7, sodass der Gesamt-k-Wert unter 0,9 liegt. Besonderes Augenmerk der Entwicklung lag in der Suche nach einer Vereinfachung in den Profilen, die durch ein Stecksystem zu einer - auf die Leistungsfähigkeit bezogen - kostengünstigen Konstruktion führten. Anhand von Mustern und Prüfkörpern sowie durch Berechnungen wurde die Funktionsfähigkeit verbessert und der Prototyp optimiert. Die RWA-Anlagen des Atriums wurden in die Konstruktion genauso integriert wie die zu öffnenden Fenster und Türen. Eine besondere Leistung stellte die Entwicklung der Fluchttüren dar, da die komplizierte Mechanik der Verschlüsse in ihren Grundsätzen einer passivhaustauglichen Tür widerspricht. Durch Auswahl verschiedener Komponenten gelang es, einen ausreichenden Standard auch in diesem Detail zu finden. Das Pfosten-Riegelgrundprofil hat eine verstärkte Aluminiumschale mit den Außenmaßen 85 x 100 mm und einen eingelegten PU-Kern, der gleichzeitig als Lagerung für die Dichtungsgummis dient. Die Scheiben werden durch eine ebenfalls mit PU-Kern gedämmte Deckleiste auf die Dichtung gepreßt. Die Verschraubungen sind größtenteils über Polyamidhülsen thermisch getrennt. Die Ausführung der Verglasung wurde in den nun fertiggestellt. |
|
VerschattungsanlagenUm der sommerlichen Überhitzung entgegenzuwirken, wurden Sonnenschutzanlagen entwickelt. Das bestehende System Punto filigrano der Firma M+V wurde wegen der geringen Verschattung im offenen Zustand ausgewählt. Da die Zugkräfte der Seilzüge der Anlagen in das Pfostenprofil eingeleitet werden mußte und herkömmliche Befestigungsmethoden nicht griffen, wurde eine Auslegerbefestigung mit großem Hebelarm über die Deckleistenverschraubung so befestigt, dass die resultierenden Lasten sehr klein gehalten werden konnten. Die Verschattung ist in 2 Stufen regelbar und über dem gesamten Glasdach des Atriums montiert. Auch auf der Südfassade des Atriums ist eine ca. 60% abdeckende Verschattung montiert. |
|
Dämmung und AußenputzDie Dämmung wurde auf den Betonrohbau geschlossen als Wärmedämmverbundsystem ausgeführt. Eine 20 cm starke Mineralfaserdämmung wurde auf den Beton aufgeklebt , mit Gewebe überzogen und einem Kratzputzsystem abgeschlossen. Auf Montageelemente, die die Außendämmung durchdringen, wurde - bis auf die Halterungen für die Regenfallrohre - komplett verzichtet. Diese Halter wurden mit dem von FINGERLING in Kassel entwickelten Kraftankern befestigt, da diese durch ihre Kohlefaserhülse deutlich geringere Wärmedurchgangswerte besitzen als andere Systeme. |
|
Dachdämmung und BegrünungBei der Ausführung der Dachdämmung wurde besonders im Attikabereich auf einen nahtlosen Übergang der Dämmung zum Wärmedämmverbundsystem der Außenwand geachtet. Da hier keine standardisierten Systeme zur Verfügung standen, wurde eine Konstruktion mit nach oben auskragenden Kanthölzern vorgenommen. Diese ist in die Dämmung der Außenwand integriert und mit Holzwerkstoffbrettern zum Dach bzw. zum Dachrandprofil getrennt. Das Dach selber wurde als Kombidach ausgeführt. Einerseits wurde eine 24 cm starke Dämmschicht unter der Dachdichtung ausgeführt, zum Schutze dieser wurden darauf nochmals im Mittel 4 cm Dämmung in Verbindung mit Wasserhaltungselementen nach dem System DAKU von Dachland ausgeführt. Auf die Randausbildung zu den aufgehenden Verglasungsprofilen wurde besonderen Wert gelegt, hier lag ein Schwerpunkt auch in der Bauüberwachung. |
|
Verschattungsanlage BüroseiteNicht Elektrotechnik, sondern die Natur soll auf der Ostseite die großen Bürofenster verschatten. Hierzu wurden vom Schlosser Abstandhalter hergestellt, die in Verbindung mit den Kanthölzern der Dachrandbefestigung montiert wurden. Über ein Seilsystem mit Rankhilfen wird später eine Begrünung mit wildem Wein für sommerlichen Schatten sorgen. Durch den Abstand von 1,30 m wird eine Vorzone vor der Fassade geschaffen, die auch bei starkem Bewuchs das Raumgefühl der Mitarbeiter nicht beengt. Auch konnte so der Abstand über dem Lichtband über den Konferenzräumen überbrückt werden. |
|
ErdanschüttungDie Erdanschüttung zur Verringerung des außenluftberührten Anteiles der Gebäudehülle wurde schon direkt nach Fertigstellung des Rohbaues aufgebracht. Zuerst wurden die Konferenzräume ins Erdreich eingebunden, anschließend mit dem vorhandenen Erdaushub der Baugrube ein Lärmschutzwall zur Bahn hin auf der Lagerhallenseite an das Gebäude angeschüttet. Dieser wurde durch Buschlagen in einer Neigung von 60 ° gesichert, die im November gesetzt wurden und nun schon kräftig austreiben. |
|
Luftdichtung InnenNach Fertigstellung der Innenputzarbeiten wurden alle Fugen zur Verglasung und die zwischen Fenstern und Rohbau befindlichen Übergänge abgedichtet. Der durch das Passivhausinstitut Darmstadt durchgeführte Blowerdoor-Test brachte ein sehr gutes Gesamtergebnis mit einem Durchschnittswert von 0,4 bei 50 Pascal Druckdifferenz. Während der Messungen wurden noch verbliebene undichte Stellen so weit wie möglich abgedichtet und der erreichte Stand mit Thermoaufnahmen belegt. |
|
Klappen und Tor mit VakuumprofilenAls besonders aufwendig sowohl in der Planung als auch in der Ausführung erwiesen sich die produktionstechnischen Einrichtungen. Insbesondere die Öffnungen zum Be- und Entladen sind nicht annähernd mit Standardbauteilen passivhaustauglich herzustellen. Auch wenn Anbieter mit speziell gedämmten Elementen Kunden zu locken versuchen, so sind diese Komponenten bei genauerer Betrachtung in der Mehrzahl absolut untauglich. So wurden wieder mit der Fa. BERT-FENSTER zusammen Klappen, Türen und Tore entwickelt, die mit den passivhaustauglichen PURAL-Fensterrahmen in abgewandelter Form und mit Füllungen aus THYSSEN-Vakuumpaneelen zu einer ganzheitlichen Lösung geführt haben. Das große Tor an der Überladebrücke stellte dabei eine besondere Herausforderung dar, da es dem harten gewerblichen Gebrauch standhalten muß und dennoch aus den mechanisch empfindlicheren gedämmten Rahmen zusammengesetzt wurde. Auch hat es eine Vielzahl von Anforderungen zu erfüllen, von der Dichtigkeit über die Dämmung bis zur Einbruchsicherheit. Um Belastungen regeln zu können, wurde das gesamte Tor mit Motoren versehen, die gerade montiert wurden. Über Schlüsselschalter werden Fehlbedienungen ausgeschlossen. Der Praxistest steht kurz bevor. |
|
LüftungsanlageDie Lüftungsanlage mit der über das gesamte Gebäude geregelten Lüftung ist in den größten Bereichen fertiggestellt. Der Wärmetauscher und die produktionstechnische Anbindung sind derzeit in der Ausführung. Hierzu liegen Berechnungen und Planungen des Ingenieurbüros InPlan vor, die ständig aktualisiert und optimiert werden. Die gesamte Zuluft wird über den mit einer Gesamtlänge von 300 m DN 600 Betonrohr ausgelegten Erdreichwärmetauscher geführt. Über den Wärmetauscher, im Sommer im Bypass, wird die Luft in die Büros geblasen und strömt über die Türen in das Atrium über. An dessen höchster Stelle wird die Abluft abgesaugt. Die Frischluft für die Produktion wird ebenfalls über den Wärmetauscher zugeführt und in den Lichtgang geblasen, von wo sie über die scheibenlosen Fensteröffnungen unter der Dachflächenverglasung in die beiden Produktionsgeschosse strömt. Die Luftmengen werden trotz chemischer Produktion reduziert, indem alle Prozesse weitgehend gekapselt werden und eine Quellabsaugung die Verbreitung von Schadstoffen verhindert. Die Produktionseinrichtung und Anbindung befindet sich derzeit in Planung. |
|
Installationen ProduktionswärmeEbenso befindet sich die Umsetzung und Nutzung von Energieträgern in der Produktion derzeit in Planung durch das Büro InPlan. Hier wird der Versuch unternommen, durch möglichst geringen Einsatz von Primärenergie effektiv, aber nicht übertrieben die notwendige Prozeßwärme zu liefern. Die Kühlung der Anlagen soll über den innerhalb der Gebäudehülle befindlichen 200 m3 Sprinklervorratsbehälter erfolgen. Hier werden vor der Installation noch einige Berechnungen und Auswertungen erfolgen. |
|
GesamtanlageDie vollautomatische Fördertechnik befindet sich in der Testphase, an allen Ecken und Enden wird gearbeitet, die Wanne für die Atriumsbegrünung und für den Lichtgang ist hergestellt und mit Substrat gefüllt, die Maler haben ihre Arbeiten beendet und die Schreiner arbeiten am letzten Innenausbau. Eine Vielzahl von kleinen Gewerken wird koordiniert und in das Gesamtwerk eingebunden. Selbstverständlich, dass alle Gewerke besonders in Hinsicht auf die energetischen Anforderungen des Gebäudes besonders in die Verantwortung genommen werden. Dies gilt vom Elektriker, der energiesparende Lampen mit hoher Lichtausbeute installiert bis zum Installateur der Brandmeldetechnik, die in und an der Gebäudehülle so installiert wird, dass auch hier keine Einbußen in thermischer Hinsicht zu erwarten sind. Noch nicht gesprochen wurde über die ästhetische Einbindung aller Details zu einem Gesamtwerk mit einem technisch-künstlerischen Anspruch, auch wurden die ganze Detailbearbeitung und deren Verlauf nicht erwähnt. Zu bemerken bleibt aber, dass das Gebäude schon heute nicht wie ein plumper Koloß wirkt, sondern beweist, dass ein Passivhaus auch ästhetisch attraktiv sein kann. Besucher des SurTec-Neubaues können sich davon schon heute vor Ort überzeugen. |
|